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Geschichte

Auszug aus der Geschichte von Wildalpen


Erzbischof Gebhard von Salzburg errichtete 1074, auf Grund eines Vermächtnisses der Gräfin Hemma von Gurk, das Benediktinerstift Admont und schenkte ihm viele Besitzungen, wozu auch das Gebiet von Wildalpen gehört.
Besonders wichtig ist das Diplom von Erzbischof Konrad I. vom 10. Oktober 1139 an das Stift Admont, mit der ersten urkundlichen Nennung Wildalpens.
Die ersten Siedler waren stiftische Jäger und Fischer. Als erste Bewohner überhaupt dürften sich arme Bauern, die nicht durch das unwegsame Salzatal, sondern über den Goßsattel kamen, in Hinterwildalpen niedergelassen haben.
Als Herzog Albrecht II. die Kartause Gaming stiftete, begann ein Jahrhunderte währender Grenzstreit mit dem Stift Admont um das südliche Dürrensteingebiet in Rothwald. Außerdem waren die Besitzgrenzen auch zu den Klöstern Göss und St. Lambrecht nicht immer klar.
Im nahen Innerberg (Eisenerz) hatte sich inzwischen eine blühende Eisenverhüttung entwickelt. Im 16. Jahrhundert waren die Wälder im Enns-,  aber auch bereits im Salzatal, für die Erzeugung von Holzkohle, stark gelichtet. Es sind umfangreiche Triftbauwerke, wie Holzfangrechen, an der Enns und Salza errichtet worden.
1590 gab es, meist in Hinterwildalpen, bereits 13 Anwesen, weshalb Abt Johann die Siedlungen und Einfänge (Wiesen), welche auf den abgeholzten Flächen entstanden waren, vermessen ließ und erstmals den Grundzins bestimmte. Den "Veit TANNER" bestimmte er zum Amtmann, und den übrigen Untertanen nahm er das Gehorsamsgelöbnis ab.
Ein weiterer Zuzug von Siedlern erfolgte auch über den 1566 fertiggestellten Saumweg über die Eisenerzerhöhe. Bereits 20 Wohnhäuser bestanden 1597, deren Zahl sich bis 1670 auf 34 erhöhte. Über den Saumweg begann nun ein lebhafter Holzkohlentransport zu den Schmelzöfen und Hammerwerken in Eisenerz, wo im Jahre 1625 die Innerberger Hauptgewerkschaft gegründet worden ist. 
Den Gewerken Hans Friedrich Mayer aus Eisenerz und Hans Paul Payer aus Weikersdorf wurde am 30. Juni 1625 von Kaiser Ferdinand II. das Privileg, am Tulleck bei Eisenerz einen Bergbau und am Seisenbach bei Wildalpen einen Schmelzofen und ein Hammerwerk zu betreiben, gegen eine jährliche Maut von 2000 Gulden verliehen. Die Belange der Innerberger Hauptgewerkschaft durften hiebei nicht beeinträchtigt werden, was in der Folge aber nicht zu vermeiden war.
Auf dem Saumweg über die Eisenerzerhöhe wurde das Roheisen nach Wildalpen und als Rückfracht Holzkohle nach Eisenerz gebracht.
Die Innerberger Hauptgewerkschaft erwarb, auf Grund der entstandenen Schwierigkeiten und eines kaiserlichen Machtspruches am 20. Mai 1650, den Tullecker Bergbau und die Werksanlagen in Wildalpen. Die billigere Holzkohle in Wildalpen führte hier auch zu einem günstigeren Eisenpreis. In Wildalpen wurde sogenannte Halbware erzeugt und an die Zeug,- Sensen- und Nagelschmieden in Weyer, Waidhofen und Steyr weiterverkauft.
Seit 1652 wurde am sogenannten ARZBERG bei Wildalpen auch Erzabbau betrieben, der aber bald wieder aufgelassen wurde. Zwei Grubeneingänge und das Fundament des Schmelzofens sind noch sichtbar.
Neben den Hüttenarbeiten gab es bei der Waldmeisterei viele Holzknechte und Köhler. Der Lassingrechen und die anschließende Kohlstätte in Fachwerk standen den Anlagen in Hieflau und Reifling nicht nach.
Mit Aufkommen der Steinkohle im 19. Jahrhundert wurden die Betriebe in Wildalpen unrentabel. Deshalb wurden 1837 die 5 Hammer mit 4 Zerren- und 3 Streckenfeuern eingestellt und das Verwesamt "auf der Wildalm" aufgelöst. Als letzter Verweser nahm 1838 Johann Leo Winterl Abschied von Wildalpen.
Die Gewerke stammten aus den Hammerherrengeschlechtern der Winterl und Scheuchenstuel. Der Werksverwalter Amand Winterl ließ ein Bild der schmerzhaften Muttergottes malen, stellte es 1669 im sogenannten "Thal" auf, und ein Nachfahre von ihm ließ später eine Kapelle darüberbauen. In dem im Jahre 1655 erbauten stattlichen Verweserhaus (heute Museum) befand sich eine Barbarakapelle, in welcher am 22. Jänner 1676 das erste Meßopfer von Pfarrer Sebastian Guethrather aus Landl gefeiert wurde. Sei 1698 wurde von Landl aus alle 14 Tage in Wildalpen ein Gottesdienst gehalten.
Wegen der steigenden Bevölkerungszahl entschloß sich Abt Antonius 1727, Pater Gallus Schröckenfux als ständigen Seelsorger nach Wildalpen zu entsenden. Zwischen 1728 und 1731 wurde die Kirche unter der Bauinspektion des Verwesers Matthias Ferdinand Winterl und des Pfarrherrn erbaut. Bei der Einweihung am 7. Oktober 1731 wurde in einer feierlichen Prozession das Gnadenbild von der Thalkapelle in die Kirche übertragen.
Ein großer Strom an Wallfahrern setzte ein und brachte rege Geschäftigkeit in das enge Gebirgstal. Jährlich sind 4 Krämermärkte abgehalten worden. In den Jahren 1767 bis 1768 erbaute Abt Matthäus ein Schulhaus. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurden bereits ein hauptgewerkschaftlicher Chirurg, ein Armeninstitut sowie eine Feuerlöschanstalt erwähnt. Mit der Einstellung der Hammerwerke begann die Bevölkerungszahl abzunehmen. Um 1850 wurden nur noch 1100 Einwohner gezählt.
Die Forstwirtschaft war nun alleiniger Arbeitgeber und bemühte sich, den Bauholzbedarf aus den durch die Kohlholznutzung gelichteten Wäldern zu decken. Es entstanden bedeutende Bringungseinrichtungen, wie 1848 die die Prescenyklause aus Steinquadern und 1873 die Rothwaldklause als Gitterstrebwerksklause. Im Jahre 1873 wurde von der Gewerkschaft eine Waldbauschule im eheml Getreidekasten eingerichtet, aber leider bereits 1877, nach dem Weggang des Leiters Forstmeister Gustav Henschel, wieder geschlossen. Die Alpine-Montangesellschaft als Nachfolgerin der Innerberger Hauptgewerkschaft hat im Jahre 1889 das Gebiet der Forstverwaltung Wildalpen dem Stmk. Religionsfonds verkauft und dem Ackerbauministerium unterstellt.
In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts entstand gegenüber früher, ausgenommen die Kaiserjagd von 1747 mit Kaiser Franz, dem Gemahl von Maria Theresia, ein reger Jagdbetrieb. Es kamen laufend namhafte Jagdherren in unsere Gegend. Der bekannteste wird Graf Hans Wilczek (Eigentümer der Burg Kreuzenstein) mit hohen Persönlichkeiten, wie Kronprinz Rudolf, im Gefolge gewesen sein. Die Schönheit der Landschaft lockte auch Erholungssuchende, wie Burgschauspieler Hugo Thimig im Jahre 1892, an. Er erwarb hier ein Anwesen, das noch heute im Besitz der Familie ist.
Die Entwicklung im 20. Jahrhundert war in erster Linie vom Bau und den Erweiterungen der II. Wiener Hochquellenleitung geprägt. Als wichtigster Arbeitgeber fungiert mit ihrer Forstverwaltung und Betriebsleitung der Wasserwerke derzeit die Stadt Wien, ohne die Wildalpen vielleicht ein bedeutungsloses und entsiedeltes Gebirgsdorf wäre. Die Rationalisierungsmaßnahmen in der Forstwirtschaft haben in letzter Zeit sogar zur Auflösung der altehrwürdigen Forstverwaltung der Österreichischen Bundesforste bzw. deren Angliederungen an Großreifling geführt.
Nunmehr gewinnt auch der Fremdenverkehr, vor allem durch den Paddelsport und das Bergwandern, etwas an Bedeutung. Es haben weiterhin die Forstwirtschaft und die Jagd sowie die Landwirtschaft ihren wichtigen Platz.

 

Oberschulrat Adolf Grabner
St. Marein im Mürztal